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Ihre Fragen von unseren Experten beantwortet

Die Indikationsstellung, Planung und Durchführung sowie die Betreuung nach Implantation ist mit so vielen Fragen verbunden, dass wir Ihnen hier die häufigsten Fragen gerne beantworten wollen.

Sie können aber gerne mit uns Kontakt aufnehmen. Unsere Mitarbeiter sind gerne für Sie da...

Was sind die Vorteile der Tiefen Hirnstimulation?

Für alle Parkinson-Patienten, die für eine tiefe Hirnstimulation geeignet sind, ergeben sich folgende Vorteile:

  • Die tiefe Hirnstimulation kontrolliert Ihre Beweglichkeit für eine längere Zeitspanne, als es Medikamente alleine könnten. Die Symptome, die durch Medikamente gut beeinflusst werden, sind auch die Symptome, die sich bei der tiefen Hirnstimulation am deutlichsten verbessern
  • Die Zeit der "On"-Phasen wird verlängert
  • Die Parkinson-Medikation kann deutlich reduziert werden. Auf diese Weise reduzieren wir Nebenwirkung und unwillkürliche Bewegungen (Dyskinesien)
  • Sie erfahren mehr Unabhängigkeit im Alltag und haben dadurch...
  • eine höhere Lebensqualität

Die tiefe Hirnstimulation ist keine Heilung. Wie alle gegenwärtigen Therapieformen kann die tiefe Hirnstimulation auch nur dazu beitragen, die Symptome der Erkrankung zu verbessern.

Bin ich für eine tiefe Hirnstimulation geeignet?

Die Indikation zur Implantation ist stets eine individuelle Entscheidung, an der die Neurologen und Neuropsychologen des SRH Kurpfalzkrankenhauses und die Neurochirurgen des Universitätsklinikum Heidlelberg beteiligt sind. Grundlegend gilt folgendes:

  • Diagnose eines idiopathischen Parkinson-Syndrom
  • Erkrankungsdauer mindesten 4 Jahre
  • Wirkungsfluktuationen oder Dyskinesien
  • Medikamentös nicht kontrollierbarer Tremor
  • Verbesserung im UDRS III bei Stimulation mit L-DOPA

Über diese grundlegenden Punkte erfolgt eine neuropsychologische Diagnostik in unserem Haus, deren Ergebnis in die Entscheidungsfindung einfließt.

Welche Risiken birgt die Operation?

Die OP zur Tiefen Hirnstimulation ist ein sehr sicheres, erprobtes Verfahren. Man unterscheidet zwischen OP-bedingten und stimulationsbedingten Risiken

OP-bedingte Risiken:

  • Das Risiko für das Auftreten einer Hirnblutung bei der Implantation der Elektroden ist gering und liegt bei ca. 1-2%.
  • Wundheilungsstörungen oder Wundinfektionen sind ebenfalls selten. Das Risiko liegt bei ca. 5%.

Dadurch, dass Parkinson-Medikamente zur OP hin abgesetzt werden, kann es um die Operation zunächst zu einer vorübergehenden Verschlechterung des Zustandes kommen, welcher sich einige Tage nach der Operation erneut bessert.

Stimulationsbedingte Risiken:

Durch die Stimulation im Nucleus subthalamicus bei M. Parkinson können Nebenwirkungen hervorgerufen werden. Durch eine möglichst exakte Elektrodenimplantation und die Möglichkeit die Stimulation sehr genau anzupassen, können die meisten Nebenwirkungen vermieden, oder sehr gering gehalten werden.

Nebenwirkungen durch die Stimulation können  Muskelverkrampfungen, Störungen der Augenbeweglichkeit oder eine leisere Sprechstimme beinhalten. Da bei der Stimulation im Nucleus subthalamicus auch Änderungen in der Psyche auftreten können (z.B. depressives oder manisches Verhalten), werden alle Patienten vor einer Operation psychiatrisch vorgestellt und untersucht, um hier eine größtmögliche Sicherheit gewähren zu können.

Ich nehme Gerinnungshemmer. Könnte ich trotzdem operiert werden?

Die Sicherheit unserer Patienten steht hier an erster Stelle! Für die Operation der Tiefen Hirnstimulation müssen die Gerinnungshemmer zeitgerecht abgesetzt werden, um das Risiko für Hirnblutungen so gering wie möglich zu halten.

Zwei Wochen postoperativ können Gerinungshemmer wieder eingenommen werden. Wie lange die Medikamente im Voraus abgesetzt werden sollten, hängt von der Art des Gerinnungshemmers ab (z.B. ASS mind. 7 Tage, Marcumar mind. 5 Tage).

Bitte halten Sie mit Ihrem behandelnden Internisten/Hausarzt Rücksprache, ob die Gerinnungshemmer pausiert werden dürfen und wie viele Tage vor der Operation dies erfolgen sollte.

Welche Untersuchungen stehen nach der Operation noch an?

Direkt nach der Operation wird die Elektrodenlage mit Hilfe eines Computertomographen überprüft. Neben der ständigen Wundkontrolle wird noch während des stationären Aufenthaltes der Stimulator eingestellt und die medikamentöse Therapie angepasst.

Nach weiteren drei Monaten wird während eines stationären Aufenthaltes eine neuropsychologische Testung durchgeführt. Während dieses Aufenthaltes untersuchen wir auch noch einmal die Motorik nach nach einem festen Protokoll (UPDRS).

Im weiteren Verlauf folgen geplante jährliche Kontrollen, die ebenfalls kurzzeitig stationär den selben Umfang haben, wie die 3-Monatskontrolle.

Welche Untersuchungen werden im SRH Kurpfalzkrankenhaus durchgeführt?

Im Rahmen der präoperativen Untersuchung prüfen wir Ihre Motorik im sogenannten "On" mit Medikation und im "Off" ohne Medikation. Mit Ausnahme eines Tremors muss sich Ihre Motorik im UPDRS um mindestens 30% verbessern.

Eine Reihe von weiteren Untersuchungen durch unsere Neuropsychologen ergänzt das Spektrum der präoperativen Diagnostik.

Unsere Untersuchungen werden während eines stationären Aufenthaltes durchgeführt. Die Dauer dieses Aufenthaltes beträgt etwa 5 Werktage und beginnt in aller Regel an einem Montag.

Wie bekomme ich einen Termin zur Beratung?

Wir freuen uns, Sie persönlich beraten zu können. Unser Parkinson-Kompetenz-Team bestehend aus Neurologen und Neuropsychologen des SRH Kurpfalzkrankenhauses und die Neurochirurgen aus der Uniklinik Heidelberg erreichen Sie über eine gemeinsame E-Mailadresse (blaue Infobox rechts).

Wir melden uns dann mit einem Terminvorschlag.

Wie lange dauert eine solche OP?

Die komplette Operation dauert zirka 5 Stunden. Hier inbegriffen sind das Planungs-MRT und die Implantation des Schrittmachers (Neurostimulator) und der Verlängerungskabel, welche in Vollnarkose durchgeführt werden.

Die Implantation der Elektroden ins Gehirn erfolgt wann immer es geht in Lokalanästhesie und bei Bewusstsein, um den optimalen Stimulationsort millimetergenau festzulegen.

Dieser Teilschritt benötigt auf Grund der großen Erfahrung und des eingespielten Teams im OP jedoch nur ca. 90-120 Minuten.

Kann ich meine Medikamente nach der Operation absetzen?

Nein, ein Absetzen der Medikamente können Sie nicht erwarten. Jedoch zeigt die Erfahrung, dass einige der Antiparkinson-Medikamente deutlich reduziert werden können und somit medikamenten-abhängige Nebenwirkungen vermindert werden können. Unsere neurologischen Fachärzte übernehmen diese verantwortungsvolle Aufgabe und begleiten Sie in der Phase der Neueinstellung.

Hält die Operation die Erkrankung auf?

Ob die tiefe Hirnstimulation langfristig in der Lage ist, den Nerven Schutz zu gewähren (Neuroprotektion), wird gegenwärtig noch im Bereich der Spekulation diskutiert. Es gibt Hinweise, dass durch die elektrische Stimulation nicht nur die Nervenzellen und die Netzwerke der Nervenzellen beeinflusst werden, sondern auch die Struktur von Nervenzellen und die  Verbindungen von Nervenzellen (Synapsen). Es gibt aber ausdrücklich nur Hinweise auf diese Wirkung. Gegenwärtig gibt es also keine gesicherten Hinweise darauf, dass die Erkrankung durch die Stimulation aufgehalten werden kann.

Wie wird meine Familie eingebunden?

Die Parkinson'sche Erkrankung bindet nicht nur zuhause Ihre Familie ein, auch bei der Betreuung durch das Parkinson-Kompetenz-Team sind Ihre engsten Familienangehörige ein integraler Bestandteil. So wissen wir aus zahlreichen Studien, dass die Lebensqualität der Patienten mit der eigenen Aufklärung aber auch mit der Aufklärung der Angehörigen erheblich steigt. Hierfür nehmen wir uns gerne Zeit für Sie...