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Parkinson Therapie in Heidelberg

Interdisziplinär Schritt halten

Planung der Trajektorie anhand des intraoperativen MRT (Mit freundlicher Genehmigung: Prof. Dr. K. Kiening / Dr. M. Jakobs, Klinik für Neurochirurgie, Universitätsklinikum Heidelberg)

Die Tiefe Hirnstimulation (engl: Deep Brain Stimulation, DBS) ist ein operatives Verfahren, zur Behandlung u.a. von Bewegungsstörungen, bei dem Elektroden nicht auf der Hirnoberfläche, sondern in tiefe Bereiche des Gehirns platziert werden. Diese Elektroden stehen mit einem "Schrittmacher" in Verbindung, der unter die Haut implantiert wird und bestimmte Schaltstellen neuronaler Netzwerke oder Faserverbindungen dieser Schaltstellen des Gehirns stimuliert.

In Deutschland werden pro Jahr etwa 700 solcher "Hirnschrittmacher" implantiert. Bereits mehr als 6000 Patienten profitieren von dieser Therapie.

Auf dem Gebiet der tiefen Hirnstimulation arbeiten die neurologische Abteilung des SRH Kurpfalzkrankenhaus und die Neurochirurgische Klinik am Heidelberger Universitätsklinikum eng zusammen. Gemeinsam mit den niedergelassenen Fachärzten bieten wir damit eine lückenlose Versorgung unserer Parkinson-Patienten von der Indikationsstellung bis zur postoperativen Nachbetreuung an.

Geschichte der tiefen Hirnstimulation

Die bei M. Parkinson erkrankten Basalganglien galten noch bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhundert als Sitz des Bewusstseins und waren somit eine neurochirurgische Tabuzone. Damit spiegelte der physiologische Kenntnisstand die chirurgischen Optionen wider. Im Jahre 1939 resezierte ein Neurochirurg erstmalig einen Teil der Basalganglien bei einem Parkinson-Patienten, dessen Symptome sich verbesserten. Dies wiederlegte die These des Sitzes des Bewusstseins in den Basalganglien. 

Die tiefe Hirnstimulation entwickelte sich aus neurochirurgischen Eingriffen, in denen bestimmte Bereiche des Gehirns durch gezielte Durchtrennung von Bahnsystemen ausgeschaltet wurden. Mit der Entwicklung der Stereotaxie (griech.: stereos: hart, -taxis: Einrichtung, Anordnung) im Jahre 1947 konnten bestimmte neurochirurgische Eingriffe deutlich exakter und schonender durchgeführt werden. Die steretoaktische Läsion bestimmter Bereiche des Gehirns durch Alkohol oder Wärme (Thermokoagulation) war die erste Methode zur Behandlung von Kardinalsymptomen des M. Parkinson. Für diese Eingriffe wird der Begriff der funktionellen Stereotaxie gebraucht. Mit der Einführung von L-DOPA zur Behandlung des M. Parkinson geriet die funktionelle stereotaktische Behandlung bei Patienten mit M. Parkinson zunächst in den Hintergrund der Therapie.

Mit der Entwicklung immer kleinerer elektrischer Aggregate für die Kardiologie und der Erkenntnis, dass  in den Spätstadien des M. Parkinson nicht mehr beherrschbare Wirkungsfluktuationen der medikamentösen Therapie auftreten, rückte die tiefe Hirnstimulation wieder in den Mittelpunkt des Interesses.

Waren es anfänglich noch die Durchtrennungen bestimmter Bahnsysteme im Bereich des Thalamus, wurde im Jahre 1986 im Rahmen der elektrischen Stimulation ein sofortiges Sistieren des Tremors beobachtet, der bei ausgeschalteter Stimulation sofort wieder auftrat, was der Methode bis heute das Attribut der Reversibilität verleiht.

Die Stimulation des Globus pallidus internus fand ihren Ursprung ebenfalls in der chirurgischen Durchtrennung von Bahnsystemen als Maßnahme zur Beherrschung von sog. L-DOPA-induzierten Dyskinesien

Zunehmende Erkenntnisse in der Verschaltung der Basalganglien ließen den Ncl. subthalamicus in den Focus der stereotaktischen Neurochirurgen rücken. Nur hier konnten die drei Kardinalsymtome des M. Parkinson (Akinesie, Rigor und Tremor) ausreichend gut behandelt werden.

Tiefe Hirnstimulation bei M. Parkinson

Die tiefe Hirnstimulation verbessert die Lebensqualität von Patienten mit fortgeschrittenen M. Parkinson. Die tiefe Hirnstimulation ist aber auch für Patienten geeignet, bei denen die Nebenwirkungen der Anti-Parkinson-Medikation erheblich sind.

Obschon diese Form der Therapie bei fortgeschrittener Erkrankung häufiger durchgeführt wird, gibt es durchaus Situationen, in denen Patienten von einer frühen Stimulation profitieren.

Ist die tiefe Hirnstimulation für mich geeignet?

Im Rahmen einer Parkinson-Komplexbehandlung am SRH Kurpfalzkrankenhaus können wir gemeinsam mit Ihnen und der Familie über die Möglichkeiten einer tiefen Hirnstimulation sprechen.

Da eine solche operative Therapieoption immer einen exakt planbaren Schritt darstellt, ist die detaillierte Abwägung zwischen Nutzen der Therapie und Risiko einer OP zwingend notwendig.

Hier profitieren Sie als Patient von der Expertise der Klinik für Neurochirurgie am Heidelberger Universitätsklinikum. Gemeinsam mit der Sektion für Stereotaktische Neurochirurgie (Prof. Dr. K. Kiening, Dr. M. Jakobs und Mitarbeiter) wird jeder Einzelfall in den regelmäßigen interdisziplinären Konferenzen bestehend aus Neurologen, Neurochirurgen und Neuropsychologen besprochen.

Wie erfolgt die Auswahl der Patienten?

Die Auswahl der Patienten für eine tiefe Hirnstimulation erfolgt in zwei Schritten:

In einem ersten Schritt werden die Parkinson-Symptome identifiziert. Dies erfolgt einmal ohne Medikation im sogenannten "Off". Nachfolgend wird die Verbesserung im "On" mit ihrer normalen Parkinson-Medikation durchgeführt. Hierfür nutzen wir ein international verwendetes Untersuchungsprotokoll.

In einem zweiten Schritt werden wir mit unseren Neuropsychologen Untersuchungen zur Aufmerksamkeit, Gedächtnis und zu Ihrer Stimmungslage durchführen. Auch wenn diese Bereiche bekannter Weise bei Patienten mit M. Parkinson betroffen sind, so ist die Ausprägung doch sehr unterschiedlich. Patienten mit keinen oder nur geringen kognitiven Defiziten profitieren in aller Regel besser von der tiefen Hirnstimulation.

Sie als Patient und Ihre  Angehörigen werden stets über die erhobenen Ergebnisse informiert. Die Untersuchungen werden im Rahmen eines stationären Aufenthaltes am SRH Kurpfalzkrankenhaus durchgeführt. Die Dauer des stationären Aufenthaltes ist durchschnittlich 4 Werktage.

Interdiziplinäre Konferenz

Die Ergebnisse der durchgeführten Untersuchungen werden in einer regelmäßigen Konferenz in einem genau definierten strukturierten Vorgehen erörtert. An dieser interdisziplinären Konferenzen nehmen die Neurologen und Neuropsychologen des SRH Kurpfalzkrankenhauses und die Neurochirurgen des Heidelberger Universitätsklinikums teil.

Die Konferenz hat das Ziel, alle erhobenen neurologischen und neuropsychologsichen Befunde hinsichtlich des Nutzens einer tiefen Hirnstimulation gegen das Risiko dieser Operation abzuwägen.

Das Protokoll dieser interdisziplinären Konferenz wird mit Ihnen und den Angehörigen nachfolgend besprochen.

Intraoperative Planung einer bevorstehenden OP mit Stimulation des Nucleus subthalamicus (Mit freundlicher Genehmigung: Prof. Dr. K. Kiening / Dr. M. Jakobs, Klinik für Neurochirurgie, Universitätsklinikum Heidelberg)

Die Operation in der Klinik für Neurochirurgie

Die Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg verfügt über Jahrzehnte lange, exzellente Erfahrung auf dem Gebiet der funktionellen Stereotaxie. Eine präoperative Kernspintomographie (MRT) des Gehirns und eine Computertomographie (CT) am Tage der OP entfällt durch das Vorhandensein eines MRTs im Operationssaal der Neurochirurgen. Dieses intraoperative MRT sorgt am Tage der OP für den größtmöglichen Patienten-Komfort und eine deutlich kürzere Planungszeit bei der Bestimmung der Wegstrecke für die Elektroden.

Das Parkinson-Therapeuten-Team aus Neurologen, Neurochirurgen und Neuopsychologen beantworten Ihnen und ihren Familienmitgliedern gerne alle Fragen.