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Motivation durch Definition

Die unterschiedlichen Ziele der Rehabilitation

Ziele sind Förderfaktoren der neurologischen Rehabilitation!
Wir alle wissen, dass Motivation erst entsteht, wenn wir uns ein Ziel gesetzt haben.

In unserem neuen Rehabilitationsmanagement kennen wir folgende Ziele:

  • Globale Ziele auf der Ebene des gesellschaftlichen Lebens (Partizipation oder Teilhabe)
  • Programmziele auf der Ebene der Institution (das SRH Kurpfalzkrankenhaus)
  • Zyklusziele auf der Ebene des Behandlungsteams (Team aus Ärzten, Pflege, Therapie, klinischer Sozialdienst)
  • Interventionsziele auf der Ebene der einzelnen Berufsgruppen (z.B. Logopädie, Ergo-, Physio- und Musiktherapie)

Steht zu Beginn einer Erkrankung noch die Behandlung der akuten Erkrankung im Vordergrund (Körperstruktur und Körperfunktion), so nimmt bereits mit den zeitlich hintereinander verlaufenden Programmzielen das Ziel der Aktivität und Partizipation zu.

Partizipation

Die Partizipation oder auch Teilhabe ist das gesellschaftliche globale Ziel in der gesamten Behandlungskette aller beteiligter Phasen neurologischer Rehabilitation. Insbesondere in der Neurologie sind wir mit Situationen konfrontiert, bei denen eine mehr oder minder ausgeprägte körperliche oder geistige Beeinträchtigung erhalten bleiben kann. Aus einer akuten Erkrankung kann somit ein chronisches und damit anhaltendes Problem entstehen. Im Rahmen des strukturierten Aufnahmegespräches versuchen wir Förderfaktoren und Barrieren im Bereich der Teilhabe zu erkennen. Barrieren müssen beseitigt und Förderfaktoren gestärkt werden, damit das globale gesellschaftliche Ziel der Teilhabe in einer veränderten, neuen Lebenssituation erreicht werden kann.

Programmziele

Die Programmziele sind Ziele einzelner Institutionen. Stand beim Akutversorger noch die Wiederherstellung der Körperfunktion (z.B. Auflösen eines Gehirngerinnsels beim Schlaganfall) und der Körperstruktur (z.B. Operation einer Hirnblutung oder nach Schädel-Hirn-Trauma) im Vordergrund, folgt mit der Phase B das nachfolgende Programm, in dem Körperstruktur und –funktion erhalten werden soll und durch beginnende Aktivität ergänzt wird. Nach der Phase B folgt in den weiteren Programmen die stationäre Rehabilitation der Phase C und D. Hier ist ein Zustand erreicht, bei dem die Aktivität nun um den Bereich der Partizipation erweitert wird. Es folgen die Programme der ambulanten Rehabilitation bei ausreichender Aktivität und anhaltend unveränderter Körperfunktion und Körperstruktur. Diese späteren Programme dienen dem Erhalt der Partizipation inklusive der Re-Integration in das Arbeitsleben.

Zyklusziele

Das Programmziel der Frührehabilitation der Phase B am SRH Kurpfalzkrankenhaus wird gemeinsam mit den Angehörigen im Rahmen des strukturierten Aufnahmegespräches erörtert. Unser Programziel wird durch mehrere kleine Zyklusziele erreicht. Diese Zyklen werden hintereinander durchlaufen und bauen aufeinander auf. Die Definition neuer Ziele erfolgt zum Ende eines jeden Zyklus. Ein Zyklus dauert etwa 3 Wochen. Das Zyklusziel ist ein Ziel des gesamten Reha-Teams.

Interventionsziele

Jeder Zyklus umfasst bis zu maximal 4 Interventionsziele. Sowohl Zyklusziele als auch Interventionsziele sind Ziele des gesamten Teams. Die Interventionsziele werden jedoch durch die einzelnen Berufsgruppen erreicht. Das Erreichen der Interventionsziele wird wöchentlich im gesamten Team überprüft und bewertet. Die Interventionsziele werden zeitlich parallel bearbeitet.

Unsere Ziele sind SMART

Ziele müssen präzise und realistisch formuliert werden. Um das erreichen unsere Ziele zu messen, formulieren wir die Ziele in unserem Rehabilitationsmanagement nach den Anforderungen der sogenannten SMART Kriterien:

  • S: Spezifisch – Es wird klar definiert, was im Rahmen der Intervention erreicht werden soll.
  • M: Messbar – Jedes Ziel hat einen einzigen Indikator, der Messbar ist. Messbar sind Zeiten, Wiederholungen oder auch Distanzen
  • A: Anspruchsvoll – Das Ziel ist Anspruchsvoll und stellt eine Herausforderung dar
  • R: Realistisch – Das Ziel ist zwar anspruchsvoll, muss aber auch realistisch erreichbar sein. Häufig wird von Angehörigen zu viel erwartet. Unser Team hat dann die Pflicht, den Angehörigen die realistischen Ziele zu erklären
  • T: Terminiert – Das Ziel muss in einer bestimmten Zeit erreicht werden. Die Überprüfung der Ziele findet wöchentlich durch das gesamte Team statt.

Ein Beispiel

Nach einem Schlaganfall ist bei einem 67-jährigen Rentner die rechte Körperseite, insbesondere der rechte Arm gelähmt, es besteht eine Sprachstörung (Aphasie). In der Akutklinik wurde eine Therapie eingeleitet, die das verschlossene Gefäß wiedereröffnen sollte. Gleichzeitig wurden ein milder Diabetes und ein hoher Blutdruck erstmalig diagnostiziert. Nach dem Schlaganfall ist die Stimmung erheblich gedrückt. Der Patient ist mit einem Dauerkatheter und einer Magensonde versorgt.

In unserem strukturierten Aufnahmegespräch (StAGe) haben die Angehörigen die besondere Freude des Patienten in seinem Garten zum Ausdruck gebracht. Er verfolgt gesellschaftspolitische Entwicklungen im Wesentlichen im Rundfunk und ist als Vorstandsmitglied eines Sportvereins ehrenamtlich aktiv. Er ist verheiratet, ein Sohn wohnt mit seiner Familie im selben Haus. In seinem Heimatort macht der Hausarzt Hausbesuche, eine Apotheke und Einrichtungen des täglichen Lebens wie Stadtbüro, Einkaufszentren und Therapiepraxen sind nicht mit dem öffentlichen Personennahverkehr erreichbar.

Förderfaktoren sind in diesem Fall die Familie und die Vereinsmitglieder, die sich bereits in der Akutversorgung um ihren Vereinsvorstand bemühten. Eine Barriere stellt die fehlende Erreichbarkeit von Praxen und Einrichtungen des täglichen Lebens dar.

Das globale Ziel ist die Re-Integration in das soziale Umfeld. Das Programmziel der Phase B ist das Erreichen der Phase C. Die im Aufnahmegespräch erhaltenen Informationen stellen die Mobilität und die Kommunikation in den Vordergrund rehabilitativer Bemühungen. Das Team formuliert das erste Zyklusziel.

Der Patient soll mit Laienhilfe in der Lage sein das Bett zu verlassen. Er soll durch Gestik zunächst nonverbal kommunizieren können. Die Interventionsziele der Logopädie, Ergo- und Physiotherapie dienen der Mobilisation aus dem Bett.

Die gleichzeitige Behandlung der Interventionsziele durch die Ärzte betreffen die Schaffung stabiler Blutdruckverhältnisse sowie die Einstellung des Diabetes. Neuropsychologisch wird der Patient hinsichtlich seiner wechselnden Stimmung begleitet. Pflegerisch steht das Blasentraining im Vordergrund der Bemühungen.