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Zielerreichung messen und motivieren

Das Goal Attainment Scaling (GAS)

Um das Erreichen der gesteckten Interventionsziele zu überprüfen, nutzen wir das Instrument des Goal-Attainment Scaling (GAS). Das GAS wurde Ende der 60er Jahre für die klinische Psychologie entwickelt. In der Schweiz ist GAS in der ambulanten Ergotherapie bereits verpflichtend. In Deutschland ist GAS in der Gesundheitsförderung nur selten eingesetzt, obschon es wissenschaftlich erwiesen ist, dass sich GAS positiv auf den gesamten Rehabilitationsprozess auswirkt. Das gilt für das einzelne Individuum, aber auch für das gesamte Rehabilitationsteam und für die Angehörigen.

Das SRH Kurpfalzkrankenhaus hat sich mit seinem neuen Rehabilitationsmanagement einer besonderen Herausforderung gestellt. Wir haben das GAS im Jahre 2016 erstmals als Messwerkzeug für unsere Interventionsziele in die Rehabilitation der Phase B eingeführt.

Die Vorteile des GAS

Das GAS ist ein Instrument zur Sicherung der Planungsqualität unseres Rehabilitationsmanagements. Die Strukturierung unseres Rehabilitationsprozesses sorgt für Klarheit, Verbindlichkeit und Transparenz für das gesamte Team, den Patienten und die Angehörigen. Das GAS unterstützt das Team bei der Zielfindung. Es verhindert unrealistische Ziele und motiviert nicht nur das an der Rehabilitation beteiligte Team, sondern auch die Patienten und deren Angehörige. Es schafft gegenseitiges Vertrauen und vertieft die Zusammenarbeit in einem multidisziplinären Team.

Wie funktioniert GAS in der Rehabilitation?

Grundlage des GAS in der neurologischen Rehabilitation am SRH Kurpfalzkrankenhaus ist die Formulierung von Rehabilitationszielen. Diese werden präzise nach SMART-Kriterien formuliert. Wichtig bei dieser Art der Zielformulierung der Interventionsziele der Einsatz von Indikatoren:

  • Kann fünf Minuten ohne Hilfe aufrecht sitzen
  • Läuft zehn Meter mit Hilfe eines Rollators
  • Schafft vier zusammenhängende Worte

Diese Indikatoren (Zeit, Strecke, Anzahl) können genau gemessen werden. Auf einer 5-stufigen Skala findet sich das zu erreichende Ziel in der Mitte. Zwei Skalenpunkte oberhalb der Zielerreichung werden die Indikatoren so gewählt, dass unser Team das Erreichen zwar für möglich hält, es aber in der vorgegebenen Zeit des Zyklus unwahrscheinlich ist, dass es erreicht wird. Die zwei Skalenpunkte unterhalb der Mitte ist unsere sogenannte Baseline, der gegenwärtige Ist-Zustand. Der Abstand eines Skalenpunktes zum nächsten hat immer denselben Schwierigkeitsgrad.

GAS ist partizipativ

Unsere Rehabilitationsziele werden von allen Beteiligten gemeinsam erarbeitet. Da aufgrund der Schwere der Erkrankung unserer Patienten sich nicht selbst an der Zielerarbeitung beteiligen können, benötigen wir die detaillierten Informationen der Lebenssituation aus unserem strukturierten Aufnahmegespräch (StAGe). Die Angehörigen sind durch diesen partizipativen Ansatz der Rehabilitation gleichberechtigt mit den Therapeuten am Rehabilitationsprozess beteiligt. Dies bedeutet aber auch Übernahme von Verantwortung bei allen Akteuren.